Reizüberflutung erkennen und vermeiden
Viele Kinder mit AD(H)S oder Autismus nehmen Reize intensiver wahr. Was für andere normal ist, kann für sie überwältigend sein.
Was ist Reizüberflutung?
Das Gehirn kann die Menge an Eindrücken nicht mehr verarbeiten. Es kommt zum "Überlauf" – oft mit Meltdown, Rückzug oder Erschöpfung.
Mögliche Auslöser
- Geräusche: Stimmengewirr, Lärm, Hintergrundmusik
- Visuell: Grelles Licht, Menschenmengen, Unordnung
- Gerüche: Parfum, Essen, Reinigungsmittel
- Berührung: Enge Kleidung, unerwartete Berührungen
- Soziales: Zu viele Menschen, zu lange Interaktion
Warnzeichen erkennen
Jedes Kind zeigt es anders. Achte auf:
- Zunehmende Unruhe oder Rückzug
- Hände auf die Ohren
- Blick wird starr oder unstet
- Gereiztheit nimmt zu
- Kind wird "überdreht"
- Stimming verstärkt sich
Je früher du reagierst, desto besser.
Im Alltag vorbeugen
Zuhause
- Rückzugsort schaffen: Ein ruhiger Raum oder eine Ecke
- Reizarme Zeiten einplanen: Keine Termine nach der Schule
- Struktur: Vorhersehbarkeit reduziert Stress
- Bildschirmzeit begrenzen: Auch Medien sind Reize
Unterwegs
- Kopfhörer mitnehmen: Noise-Cancelling oder Musik
- Sonnenbrille: Hilft bei Lichtempfindlichkeit
- Fidget-Toys: Etwas zum Halten und Spielen
- Fluchtplan haben: "Wenn es zu viel wird, gehen wir raus"
In akuten Situationen
- Raus aus der Situation – wenn möglich
- Weniger Reize: Licht dimmen, Ruhe, Abstand
- Nicht reden: Worte sind auch Reize
- Körpernähe anbieten – aber nicht aufdrängen
- Zeit geben: Erholung braucht Zeit
Nach der Überflutung
- Kind ist oft erschöpft – das ist normal
- Keine Vorwürfe ("Du hast schon wieder...")
- Gemeinsam überlegen, was geholfen hätte
- Beim nächsten Mal früher reagieren
Langfristig denken
- Trigger dokumentieren: Was löst Überflutung aus?
- Grenzen setzen: Nein zu Einladungen ist okay
- Schule informieren: Damit auch dort Rücksicht genommen wird
- Selbstfürsorge: Auch du brauchst Erholung
Du kennst dein Kind am besten. Vertraue deiner Wahrnehmung.